Geschichte der Abt. Kluftern


Gründung und die ersten Jahre
Nach dem Großbrand des Karlsruhers Stadttheaters 1847 kam es im gleichen Jahr zur Gründung von zehn Freiwilligen Feuerwehren in Süddeutschland.

In den folgenden Jahren wuchs die Zahl der freiwilligen Feuerwehren ständig. Die erste Gründung einer freiwilligen Feuerwehr am Bodensee fand 1853 in Überlingen statt. 18 Jahre später im Jahre 1871 gründeten Gottfried Landolt, Lorenz Müller und Richard Müller die Freiwillige Feuerwehr Kluftern. Welcher Anlass zur Gründung führte, ist nicht überliefert. Mit Bestimmtheit hat es seit der Besiedelung der Gemarkung Kluftern und diese ist durch Funde bis zur Bronzezeit nachweisbar, auch Brandunglücke gegeben. Ein Beweggrund war gewiss auch die die vorausgegangenen Gründungen der Feuerwehren in den Linzgau - Städten Überlingen, Meersburg, Pfullendorf und Markdorf. Vielleicht spielte auch die Besorgnis vor Feuersbrünsten, einiger Bürger eine Rolle, da in der Dorfordnung von 1816 die Tag - und Nachtwachen mit Strafandrohung an ihre Pflichten erinnert werden mussten. Einige Jahre später, am 19.März 1848 versammelte sich die Gesamtgemeinde und man beschloss, mit Ausnahme der Festtage die Nachmittagswachen abzuschaffen, nachdem die Bereitschaft der Bürger diesen Gemeindedienst zu verrichten weiter sank. Es kam sogar soweit, dass der Wachdienst an den wenigstbietenden versteigert wurde. Ab dem Jahr 1866 beschränkte sich der Wachdienst schließlich nur noch auf die Monate Oktober bis März und die Nachtstunden.

Die Bereitschaft, freiwillig in einer Feuerwehr zu dienen war sehr groß. Bei der ersten Generalversammlung zählte die Wehr 47 Mann. Kluftern hatte damals ca. 500 Einwohner, d.h. dass fast jeder männliche Bürger im dienstfähigen Alter Feuerwehrdienst leistete. An Ausrüstungsgegenständen waren vorhanden: 46 Röcke; 46 neue Gurte, 48 alte Gurte, 13 Beile, sieben Leinen, fünf Laternen, zwei kleine und zwei große Hörner, drei Haarbusch, eine Fahne, zwei Trommeln mit Adler, ein Degen, vier Schnüre und drei Schärpen.

Bereits in den ersten Jahren nach der Gründung musste die Wehr zu mehreren Gebäudebränden ausrücken. Vom Gründungsjahr bis 1914 sind 24 Gebäudebrände registriert. Im Jahr 1906 gab es allein sechs Brände, wobei die Anwesen Schmid, Schwarz und Gröber in Lipbach am selben Tag brannten.


Die Feuerwehr während des Krieges
Einer der schwersten Einsätze dürfte das Eisenbahnunglück am 22. Dezember 1939 in Lipbach gewesen sein, bei dem 106 Menschen den Tod fanden.

Bei dichtem Nebel nachts um 22:19 Uhr stießen ein voll beladener Güterzug und ein gut besetzter Personenzug frontal und ungebremst auf der eingleisigen Bodenseegürtelbahn entlang des Nordufers des Bodensees in Lipbach zusammen. 106 Menschen starben in den Trümmern, weitere neun noch vor Ort an den Folgen. Im Personenzug, einem Bedarfszug aus Oberstdorf, saßen Einwohner aus Weil am Rhein und Umgebung, die zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ins Allgäu evakuiert worden waren und sich nun kurz vor Weihnachten auf die Rückkehr in die Heimat freuten. Die Fahrdienstleiter in Markdorf und Kluftern hatten beide die Signale auf freie Durchfahrt gestellt. Die Züge hätten planmäßig in Markdorf kreuzen sollen, aufgrund von Schlamperei und Nichteinhalten der Vorschriften hatte der Fahrdienstleiter jedoch dem Güterzug freie Fahrt erteilt.
Zwei Jahre später erhielt die Feuerwehr Kluftern ihre erste Motorspritze, eine TS8.
Mit dieser musste in den folgenden Jahren insbesondere 1944 nach schweren Bombenangriffen in die Nachbargemeinden Friedrichshafen, Immenstaad und Markdorf -Steibensteg ausgerückt werden.

Aber auch die Aufrechterhaltung des Brandschutzes während der Weltkriege war keine leichte Aufgabe. Viele Kameraden mussten zur Wehrmacht einrücken, neun Kameraden kehrten nicht mehr heim. Während der Besatzungszeit ist 1945 durch die Besatzungstruppen ein erheblicher Teil der Ausrüstung vernichtet worden.

Die Militärregierung ordnete im April 1947 die Herabsetzung der Mannschaftsstärke auf neun Mann an. In den 50er Jahren begannen der Wiederaufbau und die Neuordnung der Feuerwehr. In kleinen bescheidenen Schritten erfolgte die Wiederbeschaffung und Ergänzung der Ausrüstung. Dies war auch notwendig, da durch rege Bautätigkeit die Einwohnerzahl sehr stark anstieg. Waren es 1950 noch 950 Einwohner, so leben heute ca. 3300 Menschen in Kluftern.


Von der eigenständigen Feuerwehr zur Feuerwehrabteilung
Im Jahr 1971 feierte die Feuerwehr Kluftern ihr 100 jähriges Bestehen.

Mit dem stetigen wachsen der Ortschaft Kluftern und dem erweiterten Aufgabengebiet der Feuerwehren waren weitere Anpassungen der Ausrüstung erforderlich geworden. Deshalb erhielt die Feuerwehr Kluftern 1972 ihr erstes Löschgruppenfahrzeug LF8.

Im Zuge der Gemeindereform konnte die Feuerwehr 1973 von ihrem bisherigen Standort im Rathaus in die neuen Garagen in der Brunnisachhalle umziehen, außerdem wurde die Freiwillige Feuerwehr Kluftern in die Feuerwehr Friedrichshafen integriert und ist bis heute als eine von fünf Abteilungen ein Teil des Brandschutzkonzepts der Kreisstadt.

Zum LF 8 kam noch ein TLF 8/8 auf Unimog dazu. Das Fahrzeug war Baujahr 1964 und vom Katastrophenschutz.

Die Aufgabe der über 100 jährigen Eigenständigkeit war für viele Kameraden ein schmerzhafter Prozess. Es spielte hierbei jedoch nicht nur eine Rolle, dass die Feuerwehr Kluftern von nun an neben einer mächtigen Feuerwehr Friedrichshafen eine Abteilung neben der anderen ist, sondern vor allem, dass man nun ins Württembergische gehörte. War man doch bisher auf den Linzgau, also den badischen Landesteil ausgerichtet und mied es zumindest im Feuerwehrrock die württembergische Grenze zu überschreiten.

Dank des diplomatischen Geschicks unseres damaligen Stadtbrandmeisters Egon Kratzer und seines damaligen Stellvertreters Max Knobel konnten doch bald die größten Vorurteile, die bei weitem nicht einseitig waren, entkräftet werden. Durch die gemeinsame Ausbildung und den gemeinsamen Dienst in den vergangenen 35 Jahren haben sich die Kameraden aller Abteilung kennen und schätzen gelernt.

Auch von der Angst, vom großen Bruder geschluckt zu werden ist, insbesondere durch die geografischen Lage - Kluftern ist am weitesten von der Feuerwache entfernt - nichts mehr zu spüren.

1981 konnte die Feuerwehrabteilung Kluftern vom Katastrophenschutz des Bundes ein LF 16 TS in Empfang nehmen. Das LF 8 wurde darauf hin in die Abteilung Raderach abgegeben, wo es noch viele Jahre seinen Dienst tat.

Die Abteilung Kluftern verfügte nun über ein LF 16 TS, ein TLF 8 und eine Anhängeleiter (AL 18).

Um den Fortbestand der Feuerwehr Kluftern zu gewährleisten erfolgte 1986 die Gründung der Jugendfeuerwehr Kluftern.

Im Jahr 1990 konnten in Kluftern zwei neue Fahrzeuge in Dienst gestellt werden, dies waren ein TSF und ein MTW.

Im Jahr 1991 wurde das TLF 8/8 ausgemustert und dafür hielt ein zweites LF 16 TS vom Katastrophenschutz Einzug in die Klufterner Hallen.

Der Fahrzeug bestand 1991 war somit zwei LF 16 TS, je ein TSF und MTW.

Sieben Jahre lang fuhr die Abteilung Kluftern nun Einsätze ohne ein wasserführendes Fahrzeug. Ein LF 16 TS war das Erstangriffsfahrzeug.
Der Rekord lag bei einer Wasserversorgung mittels 11 B- Schlauchlängen für einen Containerbrand.
Im Jahr 1998 konnte die Abteilung Kluftern endlich ein LF 8/6 in Empfang nehmen so dass wieder ein wasserführendes- und taktisch vernünftiges Erstangriffsfahrzeug vorhanden war.

Das TSF wurde in einer netten Feier am Schlagbaum zwischen Baden und Württemberg an die Löschgruppe Schnetzenhausen übergeben.

Bei der Zusammenlegung der Löschgruppen Fischbach und Schnetzenhausen zum Löschzug Fischbach-Schnetzenhausen wurde ein LF 16 frei, das nach Kluftern verlegt wurde. Diese Übergabe fand ebenfalls wieder am Schlagbaum zwischen Baden und Württemberg statt.

Hierfür wurde eins der beiden Katastrophenschutz LF 16 TS nach Owingen verlegt.
Die Mannschaft musste nicht lang überlegen welches der beiden Fahrzeuge sie abgeben wollten. Zum einen war da das LF 16 TS auf Magirus Deutz mit dem die meisten in der Feuerwehr aufgewachsen und sehr verbunden waren, und zum andern ein neuerer Mercedes Rundhauber.
Schnell war entschieden, dass der Rundhauber nach Owingen darf.

Die Abteilung Kluftern verfügte nun über einen „Drei-Generationen Magirus Stall“ und war noch nie so gut ausgerüstet. Ein LF 16, Baujahr 1986, mit 1200 Liter Wassertank als Erstangriffsfahrzeug für den Brandeinsatz, ein LF 8/6, Baujahr 1998, mit 800 Liter Wassertank, hydraulischem Rettungssatz und Zubehör als Erstangriffsfahrzeug für technische Hilfeleistungseinsätze und als zweites Fahrzeug im Brandeinsatz, ein LF 16 TS, Baujahr 1981, vom Katastrophenschutz als drittes Fahrzeug im Brandeinsatz, für überörtliche Einsätze, das auch auch von der Jugendfeuerwehr genutzt werden konnte.
Zu guter letzt, der MTW der im Einsatz dem Zugführer als Führungsfahrzeug dient und Manschaft und Materiel transportiert.

Im Jahr 2005 konnte die Abteilung Kluftern einen neuen MTW in Empfang nehmen.
Der VW LT35 ist mit einem Funktisch ausgestattet, um dem Führungsgehilfen im Einsatz die Arbeit zu erleichtern.

Neben der Mehrzweckhalle und dem Bürgerhaus am Ortsausgang Richtung Lipbach wurde 2009 / 2010 das neue Feuerwehrhaus der Abteilung Kluftern gebaut. Der Einzug fand am 27.11.2010 statt.

Informationen zu den aktuellen Fahrzeugen erhalten Sie unter Technik -> Fahrzeuge

Die Kommandanten
1871 - 1873 Roman Späth
1873 - 1877 Konrad Reuther
1877 - 1880 Bernhard Benz
1880 - 1886 Johann Weishaupt
1886 - 1888 Konrad Reuther jun.
1888 - 1908 Gottfried Landolt
1908 - 1922 Ernst Späth
1922 - 1925 Stefan Haag
1925 - 1933 Leo Benz
1933 - 1935 Gustav Knoblauch
1935 - 1950 Franz Dietenberger
1950 - 1964 Eugen Späth
1964 - 1979 Willi Dietenberger
1979 - 2004 Wolfgang Jägle
2004 - 2016 Herbert Müller
seit 2016 Martin Klar

Gruppenfoto anlässlich des 50 jährigen Jubiläums 1921 vor dem Gasthaus Traube


Die Unglücksstelle am Morgen


Trauerfeier für die Opfer am 25.12.1939 in Markdorf


TLF 8/8 Unimog


LF 16 TS mit Zeppelin Aufbau auf Magirus Deutz Baujahr 1981

Gründungsfoto der Jugendfeuerwehr Kluftern 1986


MTW Mercedes Ziegler Baujahr 1989


LF 16 TS mit Lentner Aufbau auf Mercedes LAF 1113 Baujahr 1991


Fahrzeugübergabe an der Grenze


Erstes Gruppenbild vor dem neuen Feuerwehrhaus.



nach oben © Freiwillige Feuerwehr Friedrichshafen 2006-2015 nach oben