Geschichte


Lokale Feuerlöschördnung der Gemeinde Fischbach 1856

Anno 1856, sechs Jahre nach der Erhebung zur selbständigen Gemeinde, erhielt Fischbach eine Lokale – Feuerlöschordnung. Letztere fuße auf der Landes - Feuerlöschordnung vom Jahre 1806. Damals waren die meisten Häuser mit Stroh bedeckt. In einer Urkunde vom Jahre 1775 sind uns die Hausbesitzer bekannt, die in Fischbach und im Amte Fischbach mit Haus, Stadel, Speicher, Ofenhaus oder Ziegelhütte (Ziegelei) bei der Brandversicherungsgesellschaft versichert waren. Zum Idyll des Dorfes gehörten in jener Zeit der laufende Dorfbrunnen wie der Teich als Wasserreservoir bei Brandfällen. Da zur Gemeinde Fischbach eine Anzahl Teilorte, Weiler und Höfe zählten, die teilweise weit auseinander lagen, musste schon aus diesem Grunde eine straffe Lokale – Feuerlöschordnung aufgestellt werden. Die Feuerlöschverordnung der Gemeinde Fischbach anno 1856 enthält in 4 Abschnitten mit 40 Paragraphen: Allgemeine Bestimmungen, Anordnungen bei Brandfällen innerhalb und außerhalb der Gemeinde und zwei Rotteneinteilungen. Die zum Feuerlöschdienst verpflichtete Mannschaft ist in drei Rotten eingeteilt. Die erste hat mit den Feuer und Handspritzen auszurücken.
Alle diejenigen Bürger und anderen Einwohner mit zurückgelegtem 18. Lebensjahre, welche ein gesetzlicher Befreiungsgrund vom persönlichen Dienste nicht dispensierte, haben bis zu ihrer speziellen Einteilung immer bei derjenigen Rotte – Abteilung anzutreten, in welche ihre Altersgenossen eingeteilt sind. Das jüngere Alter von 18 – 36 Jahren verpflichtete jeden in die erste Rotte und ist verpflichtet bei Ankunft auf dem Brandplatz bei der Gesetz angedrohten Strafen sich zu dieser Rotte zu begehen, in welcher er eingeteilt ist und die ihm angeordnete Arbeit unweigerlich zu verrichten. Der ersten Rotte steht ein Spritzen - Schlauch und ein Rottenmeister vor. Jeder Dienstgrad hat einen Stellvertreter, auf welchen der Dienst übergeht, so oft und so lange der ordentliche Angestellte verhindert ist. Es haben daher bei Feuerlärmen die Ersatzmänner mit zu erscheinen. Von der Rottenmannschaft ist ein Teil als Buttenträger bestimmt. Das Ausrücken geschieht mit den eigenen und den von der Gemeinde beschafften Butten. Die übrige Mannschaft wird mit Abwechslung zur Bedienung der Spritzen, Schläuche und zum Wasserschöpfen verwendet. Als Feuerlärmzeichen werden eingeführt: a) Bei Brandfall ist , sobald das Sturmschlagen vom Ortsvorsteher angeordnet wird, dreimal nacheinander der Sturm zu schlagen und zwar derart, dass jedes mal wenigstens zwei Minuten unterbrochen wird. Brennt es im Ort selbst, wo die Sturmglocke geschlagen wird, so muss am Ende der großen Glocke allein ein längerer Ton fort Sturm schlagen, welche die Gefahr des Falls verkündet. b) Wenn es außerhalb der Gemeinde brennt, so ist nur zweimal Sturm zu schlagen mit einer Unterbrechung von drei Minuten, welches, dass auswärts brennt.

Zum Dienst des Feuerreitens und Fahrens mit der Feuerspritze und Feuerwagens sind alle Pferdebesitzer verpflichtet und hat bei der Strafvermeidung auf Alarmzeichen sogleich der zum Feuerreiten Bestimmte zu dem Ortsvorsteher oder dem Parzellenvorsteher sich zur Verfügung zu stellen. Von denjenigen Bürgern, die keine Pferde besitzen, heben sich in jedem Ort oder Parzellen die zwei jüngsten Bürger oder wenn solche wegen gründlich eingetretenem Hindernis nicht erscheinen können, deren Stellvertreter zur Verfügung zu stellen und sich als Bote unweigerlich verwenden zu lassen. Die Feuerreiter sind bei Strafe verpflichtet, eine Wegstunde in einer halben Stunde zurückzulegen. Das Abgeben des Auftrags an einen Andern oder einen Entgegenkommenden ist nicht gestattet. Über die Erfüllung ihrer Pflicht haben sie durch Scheine der Ortvorsteher sich auszuweisen. Die weiteren Pferdebesitzer haben sich sobald Feuerlärme entsteht, unverweilt an den Ort zu begeben, wo die Feuerspritze aufgestellt und andere Löschgerätschaften aufbewahrt sind.

Man versieht sich zu der gesamten Einwohnerschaft, dass jeder in dem angewiesenen Wirkungskreis aufmerksam, willig und tätig sei und sich genau an die Befehle der Vorgesetzten halte. Alle Versäumnisse und Verfehlungen werden streng bestraft Insbesondere wird bei vorkommenden Fällen erwartet, alles unberufene Kommandieren, schreien und Ratgeben ist verboten.


Lokale Feuerlöschordung Nr.2 - Der Gemeinde Fischbach

Auf das Feuersignal, so wahrgenommen wird, dass es im Ort selbst brennt, haben alle Hausbesitzer Laternen vor ihr haus hängen und wegen des Flugfeuers sogleich alle Dachladen und Öffnungen zu schließen. Zur Winterzeit ist zur Vermeidung des Einfrierens der Feuerspritzen von Nachbarn heißes Wasser zu machen und nach dem Brandplatz zu tragen. Insbesondere haben Bierbrauer und Brenner für heißes Wasser zu sorgen. Zum Wasserschöpfen und Tragen ist unweigerlich von jeder Haushaltung das nötige Kübelgeschirr abzugeben.

Bei Bränden in der Gemeinde und den nächst gelegenen Gemeinde haben zur reichlichen Beschaffung von Wasser die Güllenfässer am meisten Wert. Es haben daher Fuhrwerksbesitzer mit Pferden und Ochsen bei Vermeidung einer Strafe bei dem allgemeinem Alarmzeichen für die Gemeinde schleunigst mit ihren Fassfuhrwerken und Schapfen den nächsten Wasserschöpfplatz zu zufahren und mit gefüllten Fässern auf dem Brandplatze zu erscheinen. Bei Brandfällen muss auf die Butterträger als schleunigste Hilfe gerechnet werden können. Die allgemeine Landesverordnung schreibt vor, dass jede entstehende Feuergefahr sogleich dem Ortsvorsteher zur Anzeige gebracht werden muss. Zu gleich aber sollen auch Bau und Handwerksleute herangezogen und die schnellste Hilfe angerufen werden. Das Sturmschlagen wird erst angeordnet, wenn mit den Handwerksleuten und den anwesenden Leuten und Löschmitteln die Gefahr nicht beseitigt werden kann.

Ohne befehl des Ortsvorstehers oder seines Stellvertreters darf nicht Sturm geschlagen werden, außer es wäre, das Flammen bereits aus den Häusern schlagen oder dass die Gefahr so groß ist, dass auf alle Fälle gestürmt werden muss. Zu dem Sturmschlagen sind die Mesner jedes Ortes, wo eine Kapelle oder Kirche sich befindet, verpflichtet. Den Handwerksleuten, Kaminkehrern ist es nicht erlaubt, bloß nach ihrer Ansicht Dächer und Kanine einzuschlagen. Die Mannschaft zur Bewachung des Brandplatzes und geretteten Gegenständen hat ihr ganzes Augenmerk darauf zu richten, dass offenbar nicht zum näheren Kreis der Bekannten der gefährdeten Bewohner stehen, eindringen und Effekten heraustragen. Verdächtige Personen haben sie ohne weiteres dem nächsten Polizei – Offizianten anzuzeigen. Bei Brandfällen außerhalb der Gemeinde wird das Sturmschlagen angeordnet, wenn ein Feuerreiter kommt oder wenn von hier aus die nahe Feuergefahr selbst unzweifelhaft wahrgenommen werden kann. Wird eine Feuergefahr in der Gegend wahrgenommen, ohne dass bestimmt ist wo, so wird der Ortsvorsteher einen reitenden oder fahrenden Boten zu schneller Erkundigung ausschicken. Diejenigen vollständig angeschirrten Pferde, welche zuerst zur Bespannung der Feuerspritze auf den Platz kommen, haben neben dem ausgesetzten Fuhrlohn noch eine Prämie von der Oberamtspflege anzusprechen. Bei langem Aufenthalt auf dem Brandplatz wird für die nötige Erfrischung vom Rottenmeister auf Kosten der Gemeinde, wo es brennt, nichts besorgen, gesorgt werden. Auf die Feuerspritze darf außer dem Rottenmeister, Spritzt und Schlauchmeister niemand aufsitzen. Wer etwas verliert oder verdirbt, ist ersatzpflichtig. Bei der Rückkehr sind die Feuerspritzen und sonstige Gerätschaften gehörig zu reinigen, die Löschgerätschaften genau zu untersuchen und an ihren Bestimmungsort aufbewahren zu lassen.



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